Wird geladen …
Wird geladen …
Immozeit Verwertung Newsletter
Ausgewählte Angebote aus der Region Stuttgart / Ludwigsburg und fundierte Immobilien-Tipps. Jederzeit abbestellbar.

Sie haben eine Immobilie geerbt oder möchten ein Objekt verkaufen, das Jahrzehnte lang nicht mehr grundlegend angefasst wurde. Eine erste Einschätzung haben Sie vielleicht schon — aber die Zahl fühlt sich nicht richtig an. Entweder klingt sie viel zu niedrig für das, was das Objekt einmal wert war, oder Sie fragen sich, warum der Sanierungsstau so viel abzieht. Diese Frage lässt sich beantworten — aber sie braucht eine Herleitung, keine Schätzung auf Zuruf.
Der Verkehrswert ist gesetzlich definiert: § 194 des Baugesetzbuchs (BauGB) beschreibt ihn als den Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zum Bewertungsstichtag erzielt worden wäre — unter Berücksichtigung der tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks. Das klingt abstrakt, hat aber eine wichtige praktische Konsequenz: Der Verkehrswert ist kein Wiederbeschaffungswert und keine „Sanierungskosten-minus-Rechnung". Er ist der Preis, den ein informierter Käufer unter normalen Marktbedingungen heute zahlen würde.
Für eine Immobilie mit Sanierungsstau bedeutet das: Der Markt rechnet nicht nur die Handwerkerkosten ein, sondern auch das Risiko. Wer ein Haus kauft, das erst saniert werden muss, trägt das Baurisiko — Kostensteigerungen, Folgeschäden, die erst beim Öffnen sichtbar werden, Monate ohne Einnahmen oder Eigennutzung. Dieses Risiko schlägt sich im Preis nieder, und zwar typischerweise stärker als die reinen Sanierungskosten.
Die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV 2021) regelt, nach welcher Methode der Verkehrswert eines Grundstücks zu ermitteln ist. Es gibt drei anerkannte Verfahren — je nach Objekttyp ist eines maßgeblich, in der Praxis gleichen Gutachter die Ergebnisse mehrerer Verfahren ab:
Für die meisten Problemimmobilien ist das Sachwertverfahren das aufschlussreichste — es zwingt zur quantitativen Auseinandersetzung mit dem Zustand, statt ihn in eine schwer nachvollziehbare Marktanpassung zu packen.
Im Sachwertverfahren beschreibt ein Gutachter den Bauzustand anhand eines standardisierten Schemas. Dach, Fassade, Fenster, Haustechnik, Innenausstattung — jede Baugruppe erhält eine Alters- und Zustandsbeurteilung. Aus der Summe dieser Bewertungen ergibt sich ein Gesamtabzug auf den rechnerischen Neuwert des Gebäudes.
Was dabei oft übersehen wird: Die Zustandsbewertung bewertet nicht die Optik, sondern die verbleibende Restnutzungsdauer. Ein Dach, das noch dicht ist, aber in drei bis fünf Jahren erneuert werden muss, kürzt die Restnutzungsdauer des gesamten Gebäudes messbar. Das ist kein kosmetischer Abzug — es verändert, wie lange das Objekt ohne weitere Investition nutzbar ist, und damit auch, wie eine Finanzierungsbank das Objekt einstuft.
In der Praxis kommen bei typischen Problemimmobilien drei Kostenblöcke zusammen, die ein Gutachter getrennt erfasst:
Die Summe dieser drei Blöcke übersteigt fast immer den reinen Sanierungskostenvoranschlag. Das ist der Grund, warum eine einfache „Ich rechne einfach die Kosten ab"-Formel den Marktpreis regelmäßig überschätzt.
Ein leer stehendes Gebäude verliert schneller an Substanz als ein bewohntes. Ausgetrocknete Dichtungen, Heizungsausfall im Winter, Wasserschäden durch nicht beheizte Leitungen, Feuchtigkeitseintrag durch fehlende Durchlüftung — diese Schäden entstehen still und sind von außen nicht sichtbar. Gutachter bewerten Leerstand deshalb nicht nur als Kostenpunkt, sondern als Risikoindikator: Wie lange stand das Objekt leer? Was hat niemand mehr kontrolliert?
Für Eigentümer, die ein leeres Objekt halten, gilt: Jeder Monat Leerstand kostet Substanz. Nicht dramatisch von Woche zu Woche — aber über ein oder mehrere Jahre kumuliert sich das im Wert. Die Entscheidung, auf bessere Marktbedingungen zu warten, ist bei einem leer stehenden Gebäude deutlich teurer als bei einer vermieteten Immobilie.
Der Stuttgarter Immobilienmarkt ist strukturell durch ein Ungleichgewicht geprägt: Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das Angebot — besonders für erschwinglichere Objekte. Das hat eine konkrete Konsequenz für Problemimmobilien: Die Lage federt ab, aber nicht unbegrenzt.
Der Gutachterausschuss für die Ermittlung von Grundstückswerten der Landeshauptstadt Stuttgart veröffentlicht jährlich den Grundstücksmarktbericht und die aktuellen Bodenrichtwerte. Diese Daten zeigen, welchen Wert der Boden in einer bestimmten Lage hat — unabhängig davon, was darauf steht. Für eine Problemimmobilie ist das die entscheidende Referenzzahl: Der Bodenwert ist die wirtschaftliche Untergrenze, unterhalb der kein rationaler Verkäufer abgibt.
In begehrten Stuttgarter Lagen — innerstädtische Quartiere, gut angebundene Hanglagen, attraktive Stadtteile im Speckgürtel bis Kornwestheim, Ludwigsburg oder Esslingen — trägt der Bodenwert einen erheblichen Anteil des Gesamtwerts. Ein sanierungsbedürftiges Haus kann in diesen Lagen trotzdem zu einem wirtschaftlich tragfähigen Preis verkauft werden, weil der Boden darunter gefragt ist. In Randlagen mit niedrigerem Bodenrichtwert wiegt der Gebäudezustand deutlich schwerer.
Für den Stuttgarter Markt gilt außerdem: Käufer sind informiert. Sie haben oft mehrere Objekte besichtigt, sie rechnen und sie holen sich Sachverstand. Ein überhöhter Angebotspreis kostet vor allem Zeit — und jede Woche, die ein Objekt unverkauft auf dem Markt steht, verstärkt in der Käuferwahrnehmung den Eindruck, dass etwas nicht stimmt.
Das ist die Frage, die fast jeder Eigentümer stellt. Die ehrliche Antwort verlangt eine Herleitung.
Bevor eine Entscheidung fällt — sanieren, entrümpeln, teilen oder im Ist-Zustand verkaufen — gehört eine ehrliche Kalkulation auf den Tisch. Nicht als Wunschdenken, sondern als Zahlenwerk mit vier Fragen:
Diese Kalkulation zeigt in den meisten Fällen, dass der Break-even für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen knapper ist als gedacht — und dass nur gezielte Maßnahmen in einem Markt, der den Aufwand wirklich honoriert, den Aufwand rechtfertigen.
Für eine Problemimmobilie in Stuttgart gilt dasselbe wie überall — nur mit einem Sicherheitsnetz, das die Lage bietet: Der Marktwert ist das, was ein informierter Käufer heute zahlen würde. Nicht das, was das Objekt einmal war. Nicht das, was es nach einer vollständigen Sanierung wert wäre. Und nicht das, was der Eigentümer über Jahre investiert hat.
Ein belastbarer Verkehrswert braucht drei Dinge: eine klare Beschreibung des Ist-Zustands, eine einordnende Marktkenntnis — zu welchem Preis werden vergleichbare Objekte in dieser Lage tatsächlich gehandelt — und eine nachvollziehbare Methodik. Diese drei Dinge muss eine fundierte Bewertung liefern können. Eine Zahl ohne diese Grundlage ist eine Zahl ohne Substanz.
Die Entscheidung — sanieren, entrümpeln, teilen oder verkaufen — folgt aus dieser Bewertung. Wer die realistischen Zahlen kennt, hat die Grundlage für alles Weitere.
Wenn Sie ein Objekt in Stuttgart oder der Region haben und wissen möchten, was es im aktuellen Zustand wert ist und welcher Weg sinnvoll ist: Nutzen Sie das Formular auf dieser Seite. Wir schauen uns Ihre Situation konkret an — ohne Pauschalantworten.
Über den Autor
Redaktion · Immozeit Verwertung
Das Redaktionsteam von Immozeit Verwertung. Wir schreiben über den Immobilienmarkt in der Region Stuttgart, Ludwigsburg und Kornwestheim — aus der täglichen Praxis unseres inhabergeführten Maklerbüros.
Mehr über Immozeit